Vom 21. – 25. Oktober 2019 fand in der Schweiz erstmals der Kurs „Traumatisierte Menschen begleiten“ statt. Das Programm richtet sich an Laien, die freundschaftliche Beziehungen zu geflüchteten Menschen pflegen und hat zum Ziel, die Inhalte in kleinen Gruppen anzuwenden, damit Menschen auf einen Weg der Traumaverarbeitung geführt werden können.

In Zusammenarbeit von WEC, Agape international und Wycliff wurden die für Flüchtlinge angepassten Inhalte vermittelt. Wir konnten 27 motivierte und erfahrene Teilnehmende im partizipativen Unterricht ermutigen, Menschen mit seelischen Verletzungen zu helfen, wieder neue Kraft und Stabilität zu gewinnen.

 

Die Traumabewältigung ist eine Reise mit mehreren Stationen und braucht viel Zeit. Den Schmerz wahrnehmen – gehört werden – trauern – klagen – den Schmerz zu Gott bringen – vergeben – wiederherstellen – mehr Widerstandskraft.  Entlang dieser Stationen begleitete uns die fiktive Geschichte einer geflüchteten Familie. Aus ihrem Erleben wurden zusammen mit Begebenheiten aus der Bibel wichtige Prinzipien für den Umgang mit traumatisierten Menschen abgeleitet und herausgeschält, wie die Begleitpersonen ihnen helfen können.

 

In der Traumaverarbeitung nimmt der Ausdruck von Gefühlen wie Angst oder Zorn und die Klage einen wichtigen Platz ein. Dazu finden wir in den Psalmen kostbares Anschauungsmaterial. Habt ihr gewusst, dass von den 150 Psalmen 76 den Klagepsalmen zugeordnet werden können? Im Verfassen eines eigenen Klagepsalms richteten die Kursteilnehmenden ihre Klage und Fragen an Gott, den kompetenten Adressat aller Fragen, Gefühle und Klage.

 

Auch die kreative Verarbeitung von seelischem Schmerz hat in der Traumabegleitung einen hohen Wert. Besonders für geflüchtete Menschen, deren Sprachzentrum oft von traumatischen Erlebnissen blockiert ist, kann der Ausdruck schwieriger Erlebnisse im Malen, Kneten und Modellieren eine innere Spannung lösen. Gefühle und Schmerz können in die Hände fliessen und lassen etwas Sicht- und Tastbares entstehen. Das war für einige Kurteilnehmende eine neue Erfahrung. Neben diesen Techniken kann auch Musik oder Tanz eine heilende Wirkung haben.

Die Teilnehmenden wurden im Verlauf des Kurses immer wieder ermutigt, ihre eigene Geschichte in den Lernprozess einzubinden. So wurden praktisch alle bei der einen oder anderen Lektion mit unverheilten Verletzungen der Seele konfrontiert und herausgefordert, diese mit Gott anzuschauen und seine Heilung zu erwarten.  Besonders anspruchsvoll war für einige die Auseinandersetzung mit den Themen der häuslichen Gewalt und Sexuellen Gewalt. Andere sahen sich mit dem Thema Suizid herausgefordert. Ungeahnte Gefühle wie Wut Trauer oder Hass stiegen in einigen auf. Als wohltuend wurde hingegen empfunden, den Schmerz aufzuschreiben, ihn zu Gott zu bringen und das Papier anschliessend ins Feuer zu werfen, als sichtbares Zeichen, dass Jesus unsere Schmerzen am Kreuz getragen hat.

 

Ich staunte wieder neu darüber, wie jedes Thema in Gottes Wort Platz hat und wie Gott mit allem vertraut ist, was uns Menschen in dieser Welt Trauriges und Schwieriges widerfährt. Allein die Tatsache, dass Er ein Gott ist, der uns sieht, hat so viel Heilungspotential. So macht sich der Kurs Gottes Wort und psychologische Prinzipien zunutze um seelische Verletzungen zu thematisieren und Helfer auszurüsten, traumatisierten Menschen zu helfen.

 

Verfasserin: Gabriela Zindel, Dezember 2019