Wie können wir möglichst viele Christen für interkulturelle Themen sensibilisieren? Barbara und Johannes Müller haben an einem solchen Projekt mitgewirkt. Sie schildern ihre Erfahrungen und teilen ihre Begeisterung.

 

Viele Programme werden gestrichen, von unserer Jahresplanung sind nur noch Bruchstücke übrig – in der intensiven Phase der Corona-Pandemie ergeht es uns wie vielen anderen auch. Bis sich Egzon Shala, der interkulturelle Beauftragte der SEA bei Barbara und mir meldet: «Eine junge Frau aus unserer Gemeinde hat mich gefragt, ob es nicht ein interkulturelles Programm für ihre Kleingruppe gäbe. Das gab mir die Idee, einen solchen Kurs zu erstellen, mit Videos, so dass es junge und weniger junge Leute an der Basis anspricht. Seid ihr dabei?»

 

Kreativ statt Coronagejammer

Die Coronakrise hat Platz in unserer Agenda geschaffen, das Projekt klingt frisch. Könnte es sein, dass Gott uns genau dafür Zeit gegeben hat? Warum also nicht etwas Neues wagen? Mitte März beginnt unser fünfköpfiges Team zu planen: Zwei Secondos mit kosovarischem bzw. tamilischem Hintergrund, ein Rückkehrmissionar mit Südostasienerfahrung und wir beide von African Link/ MEOS. Zuhause sind wir in vier verschiedenen Gemeindeverbänden – also wirklich eine bunte Mischung, auch altersmässig.

 

Die Treffen müssen coronabedingt über Zoom stattfinden, aber wir finden uns auch über den digitalen Kanal rasch und werden kreativ. Schnell zeichnet sich ab, dass der Kurs fünfteilig werden soll. So haben alle Themenideen Platz und der Kurs ist doch nicht zu lang. Zu jedem Thema gibt es ein zwanzigminütiges Video, immer mit derselben Inhaltsstruktur. Die Hälfte der Zeit ist für einen Kurz-input reserviert. Daneben gibt es jedes Mal ein ermutigendes interkulturelles Zeugnis, kulturelle Tipps und spannende Facts über Migration. Alle vom Team sollen bei jedem Teil ihre Erfahrung und ihre Kontakte mit anderen Kulturen einbringen.

«Same but different», das passt!

Wie soll der Kurs heissen? Als Kaji Ruban – geboren in Sri Lanka und aufgewachsen im Domleschg, GR – als möglichen Namen «Same but different» erwähnt, schlägt es ein: Das passt! Die Motivation des Teams legt noch einmal ein paar Zacken zu. Die Vorbereitungen bis zum Drehtermin Anfang September laufen auf Hochtouren. Barbara und ich bereiten den Input zum Thema «Kulturen verstehen» vor. Wir haben viele Ideen, aber erst nach mehrmaligem Kürzen bringen wir das Wesentlichste in 10 Minuten unter. Zum Glück können wir auf hilfreiche Bücher und Kurstage hinweisen, in denen man dieses Thema vertiefen kann.

 

Ein Ganzes, ohne sich zu verstehen

Für ein Zeugnis mit afrikanischem Bezug gehen wir einige unserer Kontakte durch. Schliesslich werde ich in Biel fündig: Die Methodistenkirche evangelisiert dort einmal pro Jahr gemeinsam mit einer afrikanisch geleiteten Gemeinde auf dem Zentralplatz. Die beiden Pastoren sind bereit, für die Videosession nach Bern zu kommen und davon zu berichten.

Wir besprechen kurz vor… und ich realisiere ein Problem: Der Schweizer Pastor spricht ausschliesslich deutsch, sein kongolesischer Kollege nur französisch. Die beiden erzählen abwechslungsweise von den Einsätzen, drei Mal hin und her. Ich bin völlig überrascht. Es kommt wie aus einem Guss, sich ergänzend, spannend. Am Ende fragen mich beide, was der andere gesagt habe – sprachlich haben sie sich nicht verstanden, aber zusammengepasst hat es genial.

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Viele tragen zum Gelingen bei

Neben den Videos gibt es für jede Lektion einen Vertiefungsablauf, der unter anderem je einen Bibeltext mit Diskussionsfragen für die Gruppen enthält. Als Barbara und ich diesen Teil zusammenstellen, merken wir: Das müssen wir mit echten Hauskreisen testen. Die FEG Winterthur, unsere Heimatgemeinde, bietet Hand und wir finden fünf Kleingruppen, die verschiedene dieser Bibeltexte durchspielen. Wir bekommen sehr hilfreiche Feedbacks und Verbesserungsvorschläge.

 

Wir können nur staunen, wie viele Leute unterschiedlichster Hintergründe insgesamt an der Umsetzung dieses Projekts beteiligt waren und wie reibungslos sich alles in Rekordzeit bis Ende November zusammenfügte. Dieses Projekt ist eine der grössten Ermutigungen, die uns Gott in der coronageprägten Zeit geschenkt hat.

Möchtet ihr «Same but different» in eurer Kleingruppe durchführen? Hier findet ihr alle Informationen: www.same-but-different.ch

 

Autor: Johannes Müller

Fotos: African Link

Erstellt: 2.9.22