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Seit Ende Dezember 2025 erlebt der Iran massive landesweite Proteste, bei denen Millionen von Iranerinnen und Iranern in mindestens 31 Städten auf die Strassen gingen und die vom iranischen Regime brutal niedergeschlagen wurden. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA und der Dachverband Freikirchen.ch sind erschüttert über die Grausamkeiten der iranischen Führung gegenüber der eigenen Bevölkerung. In Solidarität mit den Menschen im Iran rufen wir die Kirchen in der Schweiz und alle Christinnen und Christen zum Gebet auf. Konkrete Gebetsanliegen und Hintergrundinformationen sollen dabei eine Hilfe sein. 

 

Auslöser der Proteste im Iran sind der wirtschaftliche Zusammenbruch, eine explodierende Inflation sowie tiefe politische und gesellschaftliche Unzufriedenheit. Als Reaktion darauf entfesselte das iranische Regime am 8. und 9. Januar einen der brutalsten Repressionsschläge der jüngeren Geschichte. Sicherheitskräfte gingen mit äusserster Gewalt gegen Demonstrierende vor – auf den Strassen, in Krankenhäusern und an Orten, an denen sich Menschen zu verstecken versuchten. Einige Schätzungen sprechen von bis zu 40’000 Getöteten – und die Zahlen steigen weiter, da die Tötungen hinter verschlossenen Türen weitergehen.   

 

Angesichts dieser eskalierenden Krise rufen viele in der Schweiz lebende iranische Christen gemeinsam mit der Schweizerischen Evangelischen Allianz und dem Dachverband Freikirchen.ch die Kirchen in der ganzen Schweiz dazu auf, sich im Gebet zu vereinen. Zur Unterstützung haben sie konkrete Gebetsanliegen zusammengestellt, die den aktuellen Konflikt sowie die sich zuspitzende humanitäre Notlage im Iran aufgreifen.  

 

Gebetsanliegen für den Iran 

  • Für einen grundlegenden politischen Wandel (Regimewechsel)
    Wir beten für einen tiefgreifenden Wandel im Iran. Möge das derzeitige Regime durch eine Regierung ersetzt werden, welche die grundlegenden Menschenrechte achtet, dem eigenen Volk dient und Frieden sucht – nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch gegenüber den Nachbarstaaten und der gesamten Welt. Wir bitten um Weisheit, Wahrheit und Gerechtigkeit in allen politischen Entscheidungen.  
  • Für Bewahrung des Lebens und für Gerechtigkeit 
    Wir beten für alle Menschen im Iran, die unter Gewalt, willkürlichen Verhaftungen und staatlich sanktionierter Unterdrückung leiden. Wir bitten um Schutz für Unschuldige, um Heilung für Verwundete, um Bewahrung für Gefangene und um Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien. Möge Unrecht ans Licht kommen und mögen Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. 
  • Für Christinnen und Christen im Iran
    Christinnen und Christen sind in dieser Zeit besonders gefährdet, da sie zunehmend als «Terroristen» oder «zionistische Feinde» diffamiert werden. Wir beten um Schutz, Mut und Standhaftigkeit für die Gläubigen im Iran – insbesondere für Hausgemeinden und verfolgte Christinnen und Christen. Wir bitten, dass sie im Glauben gestärkt werden, Gottes Nähe spürbar erfahren und Wege finden, Hoffnung, Liebe und Wahrheit weiterzugeben, selbst unter massivem Druck und grosser Gefahr.  
  • Für Trost, Heilung und Hoffnung für die Betroffenen 
    Wir beten für Familien, die Angehörige verloren haben, für Eltern, Ehepartner und Kinder, die um Inhaftierte bangen oder im Ungewissen leben. Wir bitten um göttlichen Trost in tiefer Trauer, um Hoffnung mitten in Verzweiflung und um innere Heilung für alle, die traumatisiert sind. Möge Gott selbst den Gebrochenen nahe sein und neue Hoffnung schenken. 

 

Neben dem individuellen Gebet rufen wir dazu auf, das Gebet für die Menschen im Iran auch öffentlich in die kirchlichen Veranstaltungen aufzunehmen. Indem wir uns gemeinsam dieser Not annehmen, setzen wir ein starkes Zeichen der Solidarität für Iranerinnen und Iraner, die sich nach Veränderung, Frieden und Gerechtigkeit sehnen. 

 

Es ist zutiefst tröstlich zu wissen, dass Gott jeden einzelnen Menschen sieht. Der Iran braucht Jesus, den Messias – und eine tiefgreifende politische Transformation, dringender denn je. Darum rufen wir die Kirchen überall dazu auf, in den kommenden Wochen inständig und beharrlich um göttliches Eingreifen zu beten: um Gottes Gerechtigkeit, Schutz und Erbarmen inmitten dieser Dunkelheit. 

Gebetsanliegen für den Gottesdienst 

Was ist bisher passiert?

Am 11. Februar 2026 beging der Iran den 47. Jahrestag der Islamischen Revolution – ein Jubiläum, welches das Bestehen des Regimes feierte, während Tausende Familien noch immer verzweifelt nach den Leichen ihrer Angehörigen suchten. 

 

Berichte deuten darauf hin, dass Sicherheitskräfte unter klaren Befehlen zur Eliminierung handelten, nicht zur Auflösung der Proteste. Verletzten Demonstrierenden wurde gezielt medizinische Hilfe verweigert, Krankenhäuser wurden gestürmt, Verwundete aus ihren Betten gezerrt. Die Absicht war eindeutig: so viele wie möglich töten und den Rest durch Terror zum Schweigen bringen. 

 

Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende in Leichenhallen und unabhängige Quellen berichten von extrem hohen Opferzahlen. Einige Schätzungen sprechen von bis zu 40’000 Getöteten – mit weiter steigender Tendenz. Nach Angaben der britischen Menschenrechtsorganisation Article 18 wurden mindestens 19 christliche Konvertiten während der Proteste getötet. Viele Opfer wurden hingerichtet oder «verschwanden» ohne Gerichtsverfahren, Anklage, rechtliche Vertretung oder rechtsstaatliche Prozesse. 

 

Was folgte, war totale Dunkelheit: eine landesweite Internetabschaltung, nächtliche Ausgangssperren und die Verhängung des Kriegsrechts (hokumat-e nezami). Ab 16:00 Uhr durfte sich niemand mehr auf den Strassen aufhalten. Ganze Städte wurden abgeriegelt – der Alltag verwandelte sich in ein Klima aus Angst, Kontrolle und permanenter Überwachung. 

 

Seit den Protesten am 8. und 9. Januar kommt es zu landesweiten Verhaftungswellen und schweren Menschenrechtsverletzungen. Menschen werden bei nächtlichen Razzien, an Kontrollpunkten, an Arbeitsplätzen sowie direkt aus Krankenhäusern festgenommen. Neben Demonstrierenden sind auch Studierende, Menschenrechts-Verteidigerinnen, Anwälte, Journalistinnen sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten betroffen. Amnesty International berichtet zudem von systematischer Folter und Misshandlung in Haft, darunter schwere Schläge, sexuelle Gewalt, Todesdrohungen sowie die gezielte Verweigerung von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. 

Millionen von Iranerinnen und Iranern sind seither zu Geiseln im eigenen Land geworden – abgeschnitten von der Welt, zum Schweigen gebracht, beobachtet und innerhalb der eigenen Grenzen gefangen. Es sind Zeiten tiefster Ungerechtigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung und nationaler Trauer.