An der interkulturellen Konferenz in Bern zum Motto «Interkulturell – gemeinsam besser» erhielten 90 Personen wertvolle Gedankenanstösse, wie Kirchen in der Schweiz interkulturell offen werden und bleiben können. Auch kam zum Ausdruck, wie vielfältig die interkulturelle Arbeit der Gemeinden hierzulande ist.

 

Zum Auftakt zeigte Egzon Shala, interkultureller Beauftragter der SEA, auf, was eine Jüngerschaftskultur in Kirchen und Gemeinden – auch in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund – beinhaltet. «Wenn eine Gemeinde keine Jüngerschaftskultur aufbaut und etabliert, wird sie zunehmend Migranten und Flüchtlinge aus ihrer Mitte verlieren und sich in Richtung einer monokulturellen Gemeinde entwickeln», mahnte er. Laut Egzon Shala stehen Jesus und seine Aufforderung aus Markus 2,14 «Komm, folge mir nach» im Zentrum dieses Prozesses. Wir sind und bleiben Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus und begleiten andere, durch Lehre, Treffen in Kleingruppen, Leben teilen und einander dienen, in der Nachfolge. Gerade Schweizer sind gefordert, Beziehungen nicht nur sonntags, sondern auch unter der Woche zu pflegen, Nähe zu schaffen und zugänglich zu sein.

 

Yves Bulundwe, Gründer und Pastor der Eglise Home Church Lausanne, nahm die Teilnehmenden auf eindrückliche Weise in seinen eigenen Prozess der Identitätsfindung mit. Er stellte die Frage: «Wo setze ich meine Identität, was definiert mich?» und erzählte, wie er in seiner Jugend vergeblich versucht hatte, seine Identität in seiner Sprache, Hautfarbe, Kleidung und seinem Musikgeschmack zu finden. Laut Yves Bulundwe finden die Menschen wahre Identität nur in dem, was Gott über sie aussagt – sie sind seine geliebten Kinder! Weiter zeigte er die Wichtigkeit auf, eine Reich-Gottes-Kultur in den Gemeinden zu entwickeln und den Schwerpunkt nicht auf die Herkunftskultur der Mitglieder zu setzen. «Kirche, die auf der Herkunft der Mitglieder aufbaut, verhindert, dass Menschen aus anderen Kulturen sich willkommen fühlen.»

 

Grosses interkulturelles Engagement
Vor der Mittagspause stellten Mitarbeitende verschiedener Gemeinden und Werke aus Bern ihre interkulturellen Angebote vor. Es war eindrücklich zu sehen, wie viele Gemeinden in der Region interkulturell aktiv sind und sich bereits seit Längerem für Flüchtlinge und Migranten engagieren.

 

Am Nachmittag ging es für eine Stunde hinaus in die Stadt. Die Teilnehmenden verteilten Bibeln und Einladungen für interkulturelle Angebote, boten Gespräche und Gebet an und gingen segnend durch die Strassen. Der Wunsch für die Konferenz war, auch ein Segen für Bern zu sein. Dadurch wurde das Praktische durch Einsätze und Gebet vor Ort umgesetzt.

 

Johannes Müller verabschiedet
Im Anschluss unternahmen Martin Vögelin und Johannes Müller eine Reise durch die interkulturelle Arbeit in der Schweiz, die ihre Anfänge unter den sogenannten Saisonniers aus Italien hatte. Johannes Müller, der vor ein paar Wochen sein Pensionsalter erreicht hat, wurde von Andi Bachmann-Roth, Co-Generalsekretär der SEA, für seine langjährige, interkulturelle Tätigkeit bei MEOS und im Kernteam der SEA-Arbeitsgemeinschaft Interkulturell feierlich verdankt. Drei spannende Workshops sowie eine Lobpreis- und Gebetszeit rundeten eine interessante Tagung mit wertvollen Impulsen für die Teilnehmenden ab.