Am 19. September startete die «interkulturelle Weiterbildung», die gemeinsam von der SEA-Arbeitsgemeinschaft interkulturell und CM (Christen begegnen Muslimen) angeboten wird. Friederike Stocker hat das Tagesseminar besucht und schildert ihre Eindrücke.

 

«Wenn unser Enthusiasmus zur Enttäuschung wird – mit Flüchtlingen dran bleiben» war das erste Tagesseminar der neu konzipierten «interkulturellen Weiterbildung». Ich war gespannt, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen und «Expertentipps» zum Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen zu erhalten. Bei den Teilnehmenden traf ich keineswegs auf frustrierte Einzelkämpfer, sondern auf Christinnen und Christen mit langem Atem, die sich aus einer Herzensberufung heraus Fremdsprachigen und Asylsuchenden zuwandten. Ihr Engagement hatte sich ganz natürlich im privaten Umfeld ergeben oder war durch die Mitarbeit bei christlichen oder anderen Initiativen entstanden.

 

Miriam Kerschbaum-Wyss, unsere Referentin, beschönigte nicht die Tatsache, dass es bei unseren Bemühungen immer wieder zu Enttäuschungen kommt. Enttäuscht – oder Ent-Täuscht? Allein diese Wortkreation war ein interessanter Augenöffner. Ganz wichtig im Umgang mit fremden Kulturen sei erst einmal das Wissen, aus welcher Sichtweise her eine andere Gesellschaft funktioniert. Wir lernten Verhaltensweisen nicht von den Werten unserer eigenen Kultur her zu beurteilen, sondern zu überlegen, nach welchen Grundsätzen diejenige unseres Gegenübers funktioniert. Zum Beispiel kennen wir alle inzwischen die Prägung von „Scham und Ehre“, die typisch für gemeinschaftliche Gesellschaften arabischer und vieler weiterer Länder ist.

 

Ehrlich mit sich selbst

Doch nicht nur Missverständnisse aufgrund kultureller Unterschiede führen zu Frustrationen. Ganz ehrlich sollen wir «Helfer» mit dem Bewegungsgrund unseres Engagements sein. Helfe ich nur, wenn ich Dank empfange und meine Arbeit gewürdigt wird? Muss ich schnellen Erfolg durch meine Anstrengungen sehen oder engagiere ich mich im Auftrag von Gott? Dann kann ich getrost den Zeitpunkt und die Auswirkung Gott überlassen.

Das Tagesseminar war eine wunderbare Bereicherung. Die fachlichen Ausführungen und das Zusammensein mit Anderen, die sich zu Menschen fremder Kulturen hingezogen fühlen, hat uns alle gestärkt und ermutigt, weiterhin unbeirrt als Gottes Boten unterwegs zu sein.

 

Jederzeit einsteigen oder à la Carte wählen

Die interkulturelle Weiterbildung setzt sich aus den beiden Seminarreihen «Brücken zu Muslimen bauen» und «Zugang zu anderen Kulturen finden» zusammen. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Alle Tagesseminare können auch einzeln besucht werden. Für alle nötigen Corona-Schutzmassnahmen ist gesorgt.

Aktuelle Informationen und Links zur Anmeldung findet man auf www.interculturel.info/weiterbildung.

 

Nächste Seminartage

  • Sa 17.10.20, Adliswil (Stadtrand von Zürich): Wer war Mohammed wirklich? Joshua Haverland stellt das Leben und Wirken des Vorbilds für viele Muslime vor. (www.interculturel.info/weiterbildung-m1)
  • Mi 28.10.20, Olten: Migration gestern und heute. Matthias Ettlin vermittelt Hintergründe, Grundlagen und aktuelle Entwicklungen zur Migrationssituation. (www.interculturel.info/weiterbildung-k2)

 

Autor: Friederike Stocker, Johannes Müller
Foto: Friederike Stocker
2.10.20