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«Wie im Paradies» – vier Tage voller Begegnung, Heilung und neuer Hoffnung. 190 Menschen. Mehr als ein Dutzend Nationen. Viele Sprachen. Unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Lebenswege – und doch eine gemeinsame Sehnsucht: Gott zu begegnen, Gemeinschaft zu erleben und herauszufinden, wozu er sie beruft. Beim dritten interkulturellen Camp «Catch the Vision», organisiert von der SEA-Arbeitsgemeinschaft interkulturell, der Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen und weiteren Partnern, kamen Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten sowie Secondos aus Afghanistan, Iran, Ukraine, Türkei, Syrien, Eritrea, Sri Lanka und vielen weiteren Ländern zusammen.
Es ist spürbar: Hier geht es um mehr als ein gemeinsames Camp. Bei «Catch the Vision» begegnen sich Menschen – und in ihrer Mitte wirkt Gott. Lobpreis erklingt in vielen Sprachen. Unterschiedliche Akzente und Melodien vermischen sich, während Menschen aus verschiedenen Kulturen gemeinsam singen und Gott anbeten. «Wir sind alle zusammen, aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Gott ist hier unter uns. Wir loben und preisen Gott in all diesen Sprachen – wunderbar.»
Der Heilige Geist verbindet Menschen. Herzen öffnen sich. Fremde werden zu Freunden. Auch abseits der «Sessions» wächst Gemeinschaft: beim gemeinsamen Essen, beim Wandern, beim Fussball, Volleyball oder Schwimmen. Kinder werden kreativ betreut und erleben ihre eigenen Abenteuer. Es wird gelacht, diskutiert und gemeinsam Zeit verbracht. Doch unter der fröhlichen Oberfläche geschieht noch etwas Tieferes.
Wenn Vergebung Hass überwindet
Eine Gruppe ukrainischer Frauen singt ein Gebetslied für den Frieden. Dazu werden Bilder von zerbombten Gebäuden gezeigt. Die Musik trägt Schmerz, Trauer und Hoffnung zugleich. Eine der Frauen erzählt, wie Gott ihr trotz des Krieges Frieden ins Herz gegeben hat. Auch andere Geschichten gehen unter die Haut.
Sultan, ein Palästinenser, erzählt von seinem Weg zum Glauben an Jesus Christus. In Jordanien wurde er Christ. Seine Entscheidung hatte einen hohen Preis: Weil seine Frau sich nicht von ihm lossagte, wurde sie von ihrem Vater erstochen. Sultan musste fliehen. Doch nicht nur die Flucht war ein langer Weg. Auch die Reise zur Vergebung dauerte Jahre. Erst als er seinem Schwiegervater vergeben konnte, wurde sein eigenes Herz frei. Diese Vergebung öffnete für ihn eine neue Tür: Er konnte seine Töchter in die Schweiz holen. Seine Geschichte macht eindrücklich sichtbar, was das Evangelium bewirken kann: Christus schenkt nicht nur Vergebung – er befähigt uns auch, selbst zu vergeben. Gerade für Christen, die aus muslimisch geprägten Kulturen kommen und teilweise mit tiefen Verletzungen und familiären Konflikten leben, wird diese Botschaft zu einer persönlichen Herausforderung und gleichzeitig zu einer Quelle neuer Hoffnung.
Ein anderer Referent bringt es auf den Punkt: «Ich habe Jesus gewonnen, aber meine Familie verloren.» Auch er wurde nach seiner Entscheidung für Christus von seinen Eltern verstossen. Jahre später erhielt er einen klaren Ruf von Gott. Seither sucht er Menschen entlang der Seidenstrasse auf und erzählt ihnen von Jesus. «Gott hat mich gerufen – ich kann nicht anders», sagt er. Dann richtet er die Frage an die Zuhörenden: «Was ist dein Auftrag?» Dabei verschweigt er nicht, dass Nachfolge auch Leiden bedeuten kann. Entscheidend sei, wie wir damit umgehen. «Nehmt nicht Anstoss. Betet: Jesus, egal, was in meinem Leben geschieht, ich möchte ganz nahe bei dir sein.»
Die Sehnsucht, gebraucht zu werden
In sechs «Sessions» beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Abschnitten aus dem Jakobusbrief. Egzon Shala, interkultureller Beauftragter der SEA, schlägt dabei einen Bogen von der Diaspora der ersten messianischen Juden bis zur heutigen Gesellschaft. Die Zerstreuung ist nicht das Ende der Geschichte. Im Gegenteil: Gott kann Christen gerade dort gebrauchen, wohin sie zerstreut wurden. «Auch heute ermutigt Jesus die Diaspora, ihm treu nachzufolgen und Teil seiner Mission zu werden.»
Und genau diese Sehnsucht wird während des Camps immer wieder sichtbar. Menschen wollen nicht nur empfangen. Sie wollen geben. Sie wollen nicht nur selbst Heilung erfahren. Sie wollen andere ermutigen. Sie wollen nicht nur irgendwo dazugehören. Sie wollen wissen, wozu Gott sie berufen hat.
Mehr als ein Motto
Im letzten Gottesdienst kommen noch einmal Dutzende Menschen zum Gebet: für körperliche und seelische Heilung, für Familien, für Berufung, für die Zukunft. Die Atmosphäre ist von Freude geprägt. Nicht, weil alle Fragen beantwortet wären. Nicht, weil alle Schwierigkeiten plötzlich verschwunden wären. Sondern weil Menschen neu entdeckt haben: Gott ist da. Er sieht mich. Er liebt mich. Und er hat einen Auftrag für mein Leben. «Vision – Begegnung – Einheit – Sendung» – die vier Worte, die über dem Camp standen, waren am Ende nicht einfach ein Motto. Sie wurden Wirklichkeit:
- Vision, weil Menschen neu zu träumen begannen
- Begegnung, weil Fremde zu Geschwistern wurden
- Einheit, weil unterschiedliche Nationen und Kulturen gemeinsam Gott anbeteten
- Und Sendung, weil Menschen den Ruf hörten, ihre Umgebung mit der Hoffnung von Jesus zu erreichen
Das Camp endet. Die Menschen reisen wieder zurück in ihre Städte, ihre Gemeinden, ihre Asylzentren und ihre Familien. Was bleibt, sind eine neue Hoffnung, neue Freundschaften, erlebte Heilung und ein tieferes Vertrauen in Gott.
Die Diaspora ist nicht nur eine Gruppe von Menschen, die irgendwo angekommen ist. Sie ist eine Gemeinschaft, durch die Gott seine Mission weitertragen möchte – in der Schweiz und weit darüber hinaus.
Bericht: Egzon Shala, Viviane Krucker-Baud und François Pinaton
Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft interkulturell, Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen (BIR), Cultures Training, MEOS interculturel, SAM Global, MissionPlus und OM Schweiz
Persönlicher Rückblick von Egzon Shala, Arbeitsgemeinschaft interkulturell
Ich bin für vieles dankbar, was Gott bei «Catch the Vision» getan hat. Besonders haben mich der Hunger und die Sehnsucht der Teilnehmenden bewegt. Immer wieder wurden Menschen nach den Sessions eingeladen, für sich beten zu lassen. Viele kamen. Manche brachten körperliche Schmerzen mit, andere seelische Verletzungen, Ängste, Wut oder familiäre Konflikte. Es wurde für Heilung gebetet. Für Versöhnung. Für neue Hoffnung.
Wir durften viele körperliche und seelische Heilungen erleben. Viele haben sich neu rufen lassen, für Gottes Träume und seine Mission zu leben. Dabei erlebte ich nicht nur die Offenheit der Teilnehmenden als besonders, sondern auch die Einheit des Teams und aller Mitarbeitenden. Die Zusammenarbeit hat mich sehr beeindruckt: welch eine Einheit und ein Miteinander für das Wirken des Heiligen Geistes.
Persönlicher Rückblick von François Pinaton, Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen
«Catch the Vision» ist für uns weit mehr als ein Motto. Es ist ein Herzensanliegen von mir, dass Menschen mit Migrationshintergrund neue Hoffnung schöpfen und entdecken: Ihr Leben ist wertvoll und bedeutungsvoll und Gott möchte sie senden – in ihre Nachbarschaft, in die Schweiz und weit darüber hinaus, bis in ihre Heimatländer. Eine Begegnung bringt diese Hoffnung besonders eindrücklich zum Ausdruck:
Eine Frau war direkt aus einem Asylzentrum zum Camp gekommen. Vier Tage lang durfte sie Gemeinschaft erleben, singen, beten, lachen und zur Ruhe kommen. Am Ende sagte sie, diese Zeit sei für sie «wie im Paradies» gewesen. Nun könne sie gestärkt und mit neuer Hoffnung in das Asylzentrum zurückkehren. Vielleicht beschreibt kaum ein Satz besser, was während dieser vier Tage geschehen ist. Menschen, die oft mit Unsicherheit, Einsamkeit, Ablehnung oder traumatischen Erfahrungen leben, fanden einen Ort, an dem sie willkommen waren.
Persönlicher Rückblick von Viviane Krucker-Baud, Schweizerische Evangelische Allianz
Ich war tief bewegt von den Schicksalsschlägen der einzelnen Personen und zu hören, was sie alles durchgemacht haben und durchmachen. Umso mehr war ich berührt, wie Gott einzelne in diesen Tagen ermutigt, gestärkt und verändert hat. Diese vier Tage waren für viele lebensverändernd. Gottes Gegenwart war in den Referaten und im Lobpreis stark spürbar. Auch ich und meine Familien gingen gestärkt und erfrischt nach Hause und spürten ein Stück Himmel, als wir in verschiedenen Sprachen Gott anbeteten. Mich berührte auch die tolle Zusammenarbeit von verschiedenen Organisationen und einem genialen Team, das sich enorm engagierte und Herzblut für Menschen mit Migrationshintergrund hat.


