Der Zustrom von Migranten aus anderen Kulturen verändert die Kirchenlandschaft, auch diejenige von Freikirchen. Das bringt für die Gemeinden Chancen und gleichzeitig Herausforderungen mit sich.

Johannes Müller baut seit 2007 African Link auf, eine Arbeit mit afrikanischen Gemeindeleiten in der Schweiz, die mit MEOS assoziiert und mit der Arbeitsgemeinschaft Interkulturell der Schweizerischen Evangelischen Allianz vernetzt ist. An der Leiterkonferenz der Freikirchen gab er am 23. März in Bern seine Erfahrungen in diesem Bereich weiter.

Drei Typen von Gemeinden

Müller unterscheidet bei den Gemeinden mit Menschen aus anderen Kulturen drei Typen:

  • Bei der monokulturellen Gemeinde steht eine Kultur und Sprache im Vordergrund. Sie spricht eine bestimmte Zielgruppe an. Es gibt aber auch Schweizer darin, die mit dieser Gemeindekultur klarkommen. (Anmerkung: Die meisten monokulturellen Gemeinden in der Schweiz setzen sich aus Schweizern zusammen.)
  • In der interkulturellen Gemeinde versammeln sich Angehörige verschiedener Kulturen. Als Klammer dient zum Beispiel eine einheitliche Sprache, oft Englisch oder Französisch. Es gibt Begegnungen unter den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen.
  • Die multikulturelle Gemeinde umfasst Mitglieder verschiedener Kulturen, die aber unterschiedliche Gefässe bilden, in denen sich die Angehörigen der Kulturen treffen. Die Organisation einer solchen Gemeinde ist herausfordernd, weil sie viel Aufwand erfordert. Sie bietet aber einen Ort, an dem viele Menschen andocken können. Solche Gemeinden verschaffen uns laut Johannes Müller „einen konkreten und greifbaren Vorgeschmack der globalen Diversität“ in der himmlischen Welt.

Zusammenarbeit wagen

Wo Schweizer Gemeinden Menschen aus anderen Kulturen unter sich haben oder ihnen Räume anbieten, sollten sie die kulturellen Eigenheiten und Bedürfnisse beachten, um eine gute Integration zu erreichen und Konflikte zu vermeiden. Sie müssen Flexibilität zeigen, so Müller. Wichtig seien die wertschätzende Beziehungspflege mit den Leitern dieser Gemeinden und der Vertrauensaufbau. Ihre Leiter seien wo möglich in die Verantwortung der Schweizer Gemeinde einzubeziehen. Manchmal müsse die Zusammenarbeit gewagt werden, auch wenn der Erfolg nicht im Voraus garantiert sei. Im Kontakt mit Christen mit Migrationshintergrund sei die „Ehren- und Rechtsorientierung“ ihrer Kultur zu beachten. Es gelte, allfällige Konflikte sauber zu lösen und Versöhnung zu leben.

Fritz Imhof

Quelle: ideaSpektrum

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Monokulturell, interkulturell, multikulturell (ideaSpektrum 2018-13)

 

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