Am 14. und 15. März 2018 fanden in Chur und St. Gallen zwei regionale Austauschtreffen zum Thema kulturübergreifender Gemeindebau statt. Stephen Beck, Dozent an der FTH (Freie Theologische Hochschule) in Giessen und Gemeindegründer in Deutschland, berichtete von seinen Erfahrungen.

Die Austauschtreffen wurden von Richard Derrer (FocusC, Chur) und Gust Ledergerber (Stami / Allianz St. Gallen) organisiert. Eingeladen waren alle Schweizer und internationalen Gemeinden der beiden Regionen.
In seiner Einführung stellte Johannes Müller von der SEA-Arbeitsgemeinschaft interkulturell drei verschiedene Modelle vor, die Gemeinden eine Orientierungshilfe geben, wie sie einzelne Migranten oder anderssprachige Gruppen integrieren können.
Stephen Beck erzählte, wie er gemeinsam mit Studierenden der FTH eine Gemeinde gegründet hat, die sich der Maxime Dietrich Bonhoeffers verpflichtet hat: «Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.» Nach einer zähen Startphase tauchte ein Afghane auf, bald gefolgt von anderen Muslimen, die nach Isa (Jesus) fragten und mit ihm leben wollten. Es entstand eine richtiggehende Welle, belebt auch durch den Zustrom von Flüchtlingen seit dem Jahr 2015.
In dieser überraschenden Situation musste das Gemeindegründungsteam seine Arbeit ganz neu überdenken. Es formulierte das Konzept der «mono-multikulturellen Gemeinde», die ausgehend von der deutschen Basiskultur den «Multis» aus anderen Kulturen Platz bietet. Innerhalb von 6 Jahren sind 15 Gemeinden mit derselben Ausrichtung im Grossraum Frankfurt entstanden. Die Bewegung vernetzt sich auch mit Gemeinden, die in anderen Teilen Deutschlands Ähnliches erleben.
Die Teilnehmenden (rund 30 in Chur und 20 in St. Gallen) tauschten in Gruppen darüber aus, welche Anregungen sie für die kulturübergreifende Arbeit in ihrer Region mitnehmen. Das Empfinden war, dass die Schweiz keine vergleichbare Welle erlebt, sondern eher eine langsam steigende Flut: Immer mehr Gemeinden ziehen einzelne Migranten an, sie haben internationale Gruppen als Untermieter und starten sozialdiakonische Angebote. Auch ohne Welle können Schweizer Gemeinden zumindest schwimmen lernen. Eine stärkere Vernetzung der interkulturellen Angebote einerseits und der Gemeindeleiter andererseits sind dabei sehr hilfreich.

Autor: Johannes Müller
Foto: Johannes Müller

Mission Mosaik / Mono-multikulturelle Gemeinden
www.missionmosaik.org

 

Modelle für kulturübergreifenden Gemeindebau
Bericht über die VFG-Leiterkonferenz