Staunende Kinderaugen sind bei uns – gerade über Weihnachten – keine Seltenheit. Wie können Kinder lernen, nicht nur über Weihnachten, sondern über Gott zu staunen? „Stuune über Gott“ – dies war das Thema der KiFO („Kinder-im-Fokus-Konferenz“) am 3. November 2018. Johannes und Barbara Müller koordinierten den internationalen Teil dieses Ausbildungstags für 22 Teilnehmende aus 6 verschiedenen Migrantenkirchen.

Seit 2012 wird auf St. Chrischona bei Basel alljährlich die grosse Deutschschweizer Weiterbildungskonferenz KiFO aller christlichen Werke und Gemeinden mit Arbeitszweigen im Kinderbereich mit regelmässig um die 400 Besucherinnen und Besuchern organisiert. Nebst den Plenarveranstaltungen wurden insgesamt zehn Wahlseminare für die Arbeit mit Kindern angeboten und nicht weniger als 15 institutionelle Aussteller boten an ihren Ständen eine Fülle von Material an. Eines dieser Seminare ist seit fünf Jahren speziell für Ausländer und wird von den MEOS-Mitarbeitern Johannes und Barbara Müller geleitet.

 

Fragen der Identität

Bevor Kinder zum Staunen über Gott gebracht werden können, so eine Erkenntnis aus der Pädagogik, die in der Plenarveranstaltung am Morgen dargelegt wurde, müssen sie erleben, dass sie geliebt und geachtet sind. Bei Secondos, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen, ist es somit besonders wichtig, dass diese zunächst Nähe und Zuwendung erfahren und dass sie in ihren Problemen ernst genommen werden.
In diesem Sinne verwies Johannes Müller im internationalen Seminar anhand von biblischen Migrationsgestalten wie Daniel, Joseph oder Jesus zunächst auf eines der zentralen Probleme von Migranten, nämlich die Frage nach der eigenen Identität. Die Seminarteilnehmer konnten ihre Diskriminierungs-Erlebnisse sowie diejenigen ihrer Kinder schildern und reflektieren. Ein Seminarteilnehmer erzählte etwa von seinen Kindern, die sich gewohnt gewesen seien, vor dem Essen zu beten. In der Schule hier in der Schweiz aber werde das nicht gemacht. Nun seien seine Kinder verunsichert und wüssten manchmal nicht, was sie tun sollen.
Nicht selten führen solche und schwierigere Erlebnisse die Kinder zu den grundlegenden Identitätsfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Barbara Müller konnte aufzeigen, wie gerade in diesen Fragen der Glaube Sicherheit und Halt vermitteln kann.

 

Probleme erkennen und lösen

In einem zweiten Teil des Seminars stellte Barbara Müller einige wichtige Unterschiede zwischen der „Wir“ – Kultur, die in den Herkunftsländern der Migranten zu einem Grossteil vorherrscht, und der „Ich“ – Kultur, die wir in Europa antreffen, anhand konkreter Alltagssituationen dar. Einer der grossen Unterschiede sei etwa, dass die Kinder in den Herkunftsländern der Migranten die meisten Dinge durch Nachahmen erlernen müssten ohne Fragen zu stellen. Bei uns sei das gerade umgekehrt: Von europäischen Kindern werden sehr schnell eigene Meinungen erwartet. In einer Ich-Kultur wird mehr durch Lob und Strafe, in einer Wir-Kultur durch Angst vor Beschämung erzogen. Erst wenn diese kulturellen Unterschiede erkannt seien, so Barbara Müller aus ihrer langen Erfahrung, könnten Migrantenfamilien sie auf konstruktive Weise im Gastland bewältigen.
In einem weiteren Seminar legte Rebekka Konrad aus der FEG Sirnach dar, wie gerade auch durch gute Gewohnheiten und feste Alltagsrituale Kindern zu mehr Sicherheit und Halt verholfen werden kann. – Und so können dann auch Ausländerkinder zum Staunen über Gott und die Welt kommen.

 

KiFO-Konferenz


Autor: Christian Wider
              (Artikel von MEOS Interkulturelle Dienste zur Verfügung gestellt)
Foto: Johannes Müller
8.11.2018