Secondo-Kinder haben es in ihrem Aufwachsen nicht immer einfach. Fragen nach der eigenen Identität belasten sie oft. Dies stand zum Thema am 7. April in der eritreischen Gemeinde «Church of the Living God» in Zürich. Johannes und Barbara Müller, die selber Kinder in einer Drittkultur grosszogen, teilten mit der Gemeinde ihre Erfahrungen und was sie daraus gelernt haben.

Die meisten der Gemeindemitglieder sind Immigranten und haben selbst mit der Integration in der Schweiz zu tun. Dabei geht oft unter, dass ihre Kinder, ob hier oder in Eritrea geboren, mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Sie wachsen in einer Kultur auf, die in vielem ganz anders ist als ihre Heimatkultur, die sie von Zuhause mitbekommen. Sie fühlen sich zwar wie Schweizer, sind aber irgendwie doch auch Eritreer. Sie sehen aus wie Eritreer, verhalten sich aber oft eher wie Schweizer. Dies führt zu Fragen wie: „Wer bin ich eigentlich?“ „Zu wem gehöre ich denn?“

Diese Identitätsfragen wurden in der Predigt von Johannes und Barbara an Hand der Geschichte des jungen Mose angesprochen: Wir finden unsere Identität in Gott. Wenn wir wissen, wer er ist, lernen wir auch, wer wir sind. Natürlich spielen viele praktische Aspekte hinein. Johannes und Barbara appellierten deshalb an die Eltern und an die Gemeinde, sich auf die Realität der Kinder einzulassen, verständnisvoll zu sein und vor allem sie zu fördern.

In der Gemeinde spielt die Sonntagsschule eine grosse Rolle. Kinder sollen früh lernen, dass sie eine Identität haben in Gott und dass sie wertvoll sind. Es ist wichtig, dass Programme für Kinder wenn möglich in Tigrinya und auch in Deutsch gehalten und den Umständen der Kindern angepasst werden.

Eltern sollen Zeit mit ihren Kindern verbringen und versuchen zu verstehen was in ihnen vorgeht. Sie können nicht nur auf ihren traditionellen Werten beharren, die auch wichtig sind, sondern positive Werte der Schweiz, mit denen die Kinder aufwachsen, schätzen lernen, das Gute in ihnen erkennen und sie fördern. So können sie auch die Gefahr überwinden, dass der Respekt der Kinder vor ihren Eltern leidet, die „in der Schweiz eh nicht draus kommen“.

Autor: Fabian Wiesmann
Foto: African Link
17.04.2018